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Gastprofessur Gender und Diversity
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Gastprofessur Gender und Diversity
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Arbeitsgebiete

Konzept für die Gastprofessur im Bereich Elektrotechnik, Informationstechnik und Informatik an der Leibniz Universität Hannover im WS 2012/2013 und im SS 2013

Die Leibniz Universität Hannover hat – aufbauend auf ihrer Tradition der Gleichbereichtigung und der Frauen- und Geschlechterforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften – diesen Schwerpunkt erweitert und auf die Fakultät für Naturwissenschaften ausgedehnt. Im letzten Jahr wurden durch die Gastprofessur in den Naturwissenschaften Studierende für die Aspekte der Geschlechterforschung sensibilisiert, wobei ein wesentlicher Schwerpunkt auf der Didaktik der Gender- und Diversityforschung lag.

Im Studienjahr 2012 / 2013 sollen in der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik die Schwerpunkte der Gender- und Diversityforschung und -Lehre erweitert werden um den Aspekt der interkulturellen Kompetenz. Die technische und wirtschaftliche Entwicklung erfordert besonders von den Studierenden der Elektrotechnik, Informatik und Informationstechnik, dass sie sich auf ein Berufsleben vorbereiten, in dem internationale Zusammenarbeit eher die Norm als die Ausnahme sein wird. Wirtschaftliche Entwicklungen wie die Globalisierung im Allgemeinen, sowie die Prozess- und technische Entwicklungen im Spezifischen (wie z.B die Prozesse eines global integrierten Unternehmen mit weltweit einheitlichen Anwendungen), ferner neue Geschäftsmodelle wie Cloud Computing, aber auch die Bedeutung von sozialen Netzwerken für die Wirtschaft, führen dazu, daß interkulturelle Kompetenz, Diversity- und Genderkompetenz wichtige sogenannten „transferable soft-skills“ werden, deren Kenntnis und Beherrschung maßgeblich zum Forschungs- , Innovations- und Unternehmenserfolg beitragen kann.

Diese interkulturelle und Diversitykompetenzfähigkeiten zu erwerben ist – angesichts der Internationalisierung der deutschen Hochschulen und der Forschung – für die Berufstätigkeit in Forschung und Lehre ebenso wichtig, wie für eine berufliche Tätigkeit in der globalen Wirtschaft. 

Thematische Schwerpunkte der Gender- und Diversity Gastprofessur

Anhand ausgewählter Themenschwerpunkte mit hohem Praxisbezug und mit zahlreichen praktischen Übungen erwerben die Studierenden der Elektrotechnik, Informatik und Informationstechnik für ihre Ausbildung (auch im internationalen Austausch, wie z.B. für das Erasmusprogramm)  und für ihre zukünftige Arbeitspraxis die theoretischen und praktischen Kenntnisse, die ihnen helfen, interkulturelle sowie  Diversity- und Genderkompetenz einzusetzen, zu bewerten sowie methodisch und inhaltlich zu optimieren. Ferner sollen Elemente entwickelt werden, die über die Gastprofessur hinaus das Image der Leibniz Universität Hannover als Gender- und Diversity-freundlich verstärken. Dazu gehören z.B. Projekte, die die Studenten als Seminararbeit (auch mit der Universitätsverwaltung) durchführen, wie die Erweiterung der Homepages um Web 2.0 Elemente für den Bereich Gender- und Diversity.  Ferner hat die Leibniz Universität Hannover schon zahlreiche Kooperationen mit der Industrie in Hannover und Niedersachsen im Bereich der Forschung. Diese Kooperationen können auf das Thema Gender- und Diversity ausgedehnt werden, so dass auch hier eine über die Gastprofessur hinausgehende langfristige Partnerschaft entstehen kann.

Themenschwerpunkt der Lehre

Die Lehrveranstaltungen gliedern sich in zwei Seminare, die ergänzende Themenschwerpunkte haben: Ein Seminar zur Interkulturellen Kompetenz, das zweite zu Diversity- und Gendermanagment.

In beiden Seminaren werden praktische Übungen (auch zu Bewerbungen und Bewerbungsabläufen) und Exkursionen zu intenational tätigen hannoverschen Unternehmen stattfinden.

Des Weiteren werden in Gruppenarbeiten Teilaspekte der Seminare und der Forschung sowie deren nachhaltive Verankerung in der Lehre und im Angebot der Universität erarbeitet.

Nähere Informationen zu den Inhalten der beiden Seminare finden Sie hier.

Schwerpunkte der Forschung und die Einführung von praktischen Elementen

Intention dieser Schwerpunkte ist es zum einen, nachhaltig in der Fakultät für Elektotechnik und Informatik als selbstständige Bestandteile –auch nach Beendigung der Gasprofessur – weiter zu wirken, zum anderen aufgrund der Forschungsergebnisse Prozesse anzustoßen, die langfristig Veränderungen in so wichtigen Fragen, wie der Anzahl weiblicher Studierender in den naturwissenschaftlichen Fächern im Allgemeinen und der Elektrotechnik, Informatik und Informationstechnologie bewirken können.

Projekt: Integration ausländischer Studenten

Den Anteil qualifizierter ausländischer Studenten an den deutschen Universitäten zu erhöhen, ist ein Ziel der deutschen Bildungs- und Außenpolitik. Die Frage der Integration von ausländischen Studierenden der Elektrotechnik, Informatik und Informationstechnologie auch im Hinblick auf mögliche Geschlechterunterschiede soll im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Kompentenz“ von den Studierenden bearbeitet werden.

Inhalte des Projektes werden die Datenanalyse des Ist-Zustandes, Erarbeitung von Fragebögen, Durchführung von Interviews sowie gegebenfalls Empfehlungen für die Leibniz Universität Hannover zur Änderung oder Erstellung von Programmen für ausländische Studenten, um die interkulturelle Kompetenz der Fachbereiche zu erhöhen.

Projekt: Kompetenz der Berufsberatung für Abiturientinnen

Der bekannte und anhaltende Mangel an Frauen in den naturwissenschaftlichen Fächern ist in Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Genderforschung. Im Forschungsprojekt Spurensuche: Entscheidungkriterien für Natur- bzw Ingenieurwussenschaften und mögliche Ursachen für frühe Studienabbrüche von Frauen und Männern an den TU9-Universitäten (Professor Ihsen, München 2010) wurden u.a. genderspezifische Entscheidungswege für ein natur- und ingenieurwissenschaftliches Studium untersucht. In Ergänzung dazu soll in diesem Forschungsprojekt der Frage nachgegangen werden, wie sich die Berufsberatung der Arbeitsämter auf die Studienwahl von Studierenden auswirkt. Das Projekt soll empirisch untersuchen, ob und wie unterschiedlich Abiturientinnen und Abiturienten, die eine Beratung des Arbeitsamtes in Anspruch genommen haben, in Bezug auf die Wahl naturwissenschaftlicher Studienfächer beraten worden sind. In Abhängigkeit von der Ausstattung mit Sach- und Finanzmitteln wird sich dieses Projekt entweder nur auf Studierenden der Universität Hannover beziehen oder auf die TU9 Universitäten, oder einen Forschungsansatz über die sozialen Netzwerke wählen. Im Seminar Diversity- und Genderkompetenz sollen die Studierenden den Fragebogen entwerfen, in einer Pilotphase an der Universität Hannover testen und die Möglichkeiten und Methoden der Onlinebefragung auch mit Hilfe von sozialen Netzen eruieren und gegebenenfalls durchführen, sowie beim  Schreiben der Progamme zur Auswertung helfen. Die Verbindung zur Soziologischen Fakultät soll hergestellt werden.

In Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit und anderen Organisationen wie der MINT-Initiative der Bundesregierung können Vorschläge für die Verbesserung der Berufsberatung für technische Berufe für Abiturientinnen entwickelt werden, z.B für eine ansprechendere Darstellung der Berufe der IT- und Elektrotechnikbranche in dem Internetauftritt „Berufe.net“ der Bundesagentur für Arbeit.

Projekt: Evaluierung der Ergebnisse der Charta: Talente der Zukunft

Das Kompetenzzentrum und die IBM Deutschland hatten 2009 eine Charta für die Talente der Zukunft entwickelt, mit der sich die Manager der IT Industrie verpflichtet hatten, junge Frauen durch Mentoring und Shadowing in ihrer Karriere zu fördern und die Diversitysysteme in ihren Unternehmen zu unterstützen. Diese schriftliche Verpflichtung hatten sie mit Angabe ihrer Daten an das Kompentenzzentrum gesendet. In Abhängigkeit von der Datenbasis soll – auch mit hilfe von Fragebogen – untersucht werden, ob derartige Selbstverpflichtungsprogramme effektive Bestandteile eines Diversity- und Gendermanagements sind und für die Leibniz Universität Hannover in Zusammenhang mit dem Mentoring und Shadowing-Programm langfristig genutzt werden können.  

Module zur nachhaltigen Integration von Gender- und Diversityaspekten in andere Vorlesungen und Seminare

In der Erstellung dieser Module geht es darum, Elemente des Diversity- und Gendermanagements und der interkulturellen Kompentenz, die sich spezifisch auf die Elektrotechnik, Informationstechnik und Informatik beziehen, in anderen Vorlesungen, Übungen und Seminaren zu verankern, so dass die Wirkungen und Ergebnisse der Diversity- und Genderprofessur nachhaltig verankert werden und integraler Bestandteil des Angebotes der Fakultät werden.  

1. Datenschutz unter dem Aspekt von Diversity-Gender in der Informationstechnologie

Das Datenschutzrecht enthält verschiedene Anforderungen, die sich auf die Aspekte Diversity- Gendermanagement beziehen. Bausteine zu diesen Diversity- und genderspezifischen Datenschutzanforderungen sollen fächerübergreifenden in die Lehre und möglicherweise in die Forschung integriert werden. So z. B. Bausteine zum genderspezifischen Datenschutz in dem Bereich "Recht für Informatiker“,  und im Bereich Informatik und Informationstechnologie, wo er besonders im Design, Planung und Durchführung von B2C und HR Lösungen und Produkten eine wichtige Rolle spielt oder in der Forschung in Bezug auf datenschutzfördernde Technologien.

2. Model-Assessmentcenter

In vielen größeren Unternehmen sind heute Assessmentcenter das gängige Auswahlverfahren für Berufseinsteiger und für die Beförderung in Management- und Top-Positionen. Ein Model-Assessment, in dem Dozenten und Studenten in ausgewählten Übungen die Mechanismen von Assessmentcentern praktisch erfahren, könnte Bestandteil eines „Practicum generale“ sein, dessen nachhaltige organisatorische Verankerung dergestalt aussehen kann, dass dieses Model-Assessmentcenter jährlich auf der CeBIT z. B von der IBM durchgeführt wird, die gerade ein von mir dem Arbeitsdirektor vorgeschlagenes Konzept prüfen lässt. Bei Bedarf können andere Unternehmen, die ebenfalls kontinuierlich auf der CeBIT sind, angesprochen werden.

3. Shadowing-Programm mit Führungskräften der Wirtschaft und der Verwaltung

In Ergänzung zu dem bereits bestehenden Mentoringprogramm der Universität Hannover kann ein Shadowing Programm für die Studentinnen der Elektrotechnik, der Informatik und Informationstechnologie aufgebaut werden, bei dem sie für einige Tage einer erfahrenen Managerin aus ihren Fachbereichen in ihrem Arbeitsalltag begleiten. Ebenso wie das Model-Assessmentcenter soll das Shadowing Programm jährlich mit Führungskräften aus den größeren Hannoverschen Unternehmen stattfinden. Die organisatorische Verankerung kann über verschiedene Organisationen stattfinden, z. B. über den Industrie Club Hannover, das EWMD (European Womens Management and Developmentnetwork in Hannover, oder die Initiative Innovatives Niedersachsen, die den Technologiestandort Niedersachsen fördert.

4. Elemente des Gender- und Diversity spezifischen Fragen beim Design und der Implementierung von Lösungen

In der beruflichen Praxis werden aufgrund des geringen Anteils von Frauen in technischen Berufen IT-Lösungen und technische Produkte mehrheitlich von Männern entwickelt, selbst wenn sie primär von Frauen genutzt werden. Mit dem vor allem genderspezifischen Design von Anwendungen und der genderspezifischen Implementierung von Produkten, Prozessen und Lösungen beschäftigt sich ein Forschungszweig der Genderforschung. Aktuelle Bestandteile daraus können in Foliensets in andere Lehrversanstaltungen der Elektrotechnik, der Informatik und Informationstechnologie integriert werden.