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Gastprofessur Gender und Diversity
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Arbeitsgebiete

Forschungsschwerpunkt

Das Spektrum der Sichtweisen und Denkfiguren zur Situation von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern in der naturwissenschaftlichen Ausbildung ist recht groß. In meinem Arbeitsschwerpunkt ergänze ich den differenztheoretischen Ansatz, der zumeist biologisch fundiert oder psychologisch ausgerichtet ist, um das theoretische Kon­strukt „Doing Gender“, d.h. um eine soziologische bzw. sozial-konstruktivistische Perspektive, die explizit Mechanismen der Geschlechterdifferenzierung fokussiert (Link). Von diesem Standpunkt aus werden die folgenden Fragen gestellt:  

  • Wie kommt es in naturwissenschaftlichen Ausbildungs- und Arbeitsbereichen immer wieder spontan zur Aktivierung pauschaler Rollenmuster und geschlechtstypischer Sichtweisen? Welchen Anteil haben daran bereichsspezifische Methoden und Medien, die mitunter „Bilder“ von Weiblich­keit und Männ­lichkeit transpor­tieren?
  • Welche Bedeutung hat die Betonung der Kategorien „männlich“ und „weiblich“ im naturwissen­schaftlichen Diskurs und in Kommunikationssituationen (z.B. in der Lehre, im Arbeitsalltag, in der Forschungspraxis) für die Kon­struk­tion und Aufrechterhaltung eines maskulinen Images von Naturwissen­schaf­ten und naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern („Männer­domäne“, „Jungenfach“)? Wel­che Symbole der Fachwissenschaften tragen zur Tradierung dieses Images bei? Welche Möglichkeiten der Wahrnehmung und Bearbeitung von Geschlechtsstereotypen bestehen?
  • Wie kann verfüg­bares Wissen der Geschlechter­for­schung in pädagogisches Alltagshandeln (Formen individueller Förderung und innerer Differenzierung, praktische Ansätze der Gesundheitserziehung, Umgang mit Medien etc.) eingebunden werden? Welche Interventionsansätze sollten Eingang in die naturwissenschaftliche Ausbildung finden?

Aktuelle Arbeitsschwerpunkte

Vorbilder für Mädchen/Frauen im naturwissenschaftlichen Bereich – revisited

Stichworte

 

Geschlechterdifferenzen, Mädchen & stereotype Rollenmuster, Berufsorientierung, Jugendforschung, Vorbilder/Role Models, Interventionsmaßnahmen, Interessenstudien, Konzepte für die Schulpraxis

Förderung

Gleichstellungskommission der Universität Siegen

Zusammenfassung

Von den vielen Faktoren, die geschlechtstypische Verhaltensweisen ausformen und auf Berufswahlentscheidungen einwirken, wird der Einfluss von Vorbildern als wirkungsvoll eingestuft. Folgerichtig wird ihre Einbeziehung in die Ausbildung befürwortet. Schülerinnen/Studentinnen soll eine Vorstellung von typischen Vertreter(inne)n eines Berufsfeldes geboten werden. Für Interventionsmaßnahmen sind folgende Vorgehensweisen typisch:
1. Lektüre bzw. Filmvorführung von Biografien berühmter Wissenschaft­lerin­nen; 2. Kontakt mit Wissenschaftlerinnen; 3. Mentoring-Programme. Qualität und Dauer der Auseinandersetzung zwischen Individuum und Modellperson sind dabei unterschiedlich. Der Schwerpunkt des Forschungsprojektes liegt auf dem ersten Ansatz. Es wird kritisch hinterfragt, ob im Rahmen einer Auseinandersetzung mit Biografien die Potenziale wirksam werden können, die in der einschlägigen Literatur vorausgesetzt werden. E
ine Annäherung an die Beziehung Vorbilder/Mädchen/Frauen erfolgt auf hermeneutischem und empirischem Wege. Ergebnisse einer umfassenden Quellenanalyse werden mit Befunden zweier Befragungen zu Vorbildern ergänzt, an denen Lehramtsstudierende (N = 307) mit den Schwerpunkten Chemie, Biologie, Physik bzw. Sachunterricht teilgenommen haben.

 

Risikoverhalten und maskuline Performanz von Jungen/jungen Männern im Umgang mit chemischen Substanzen

Stichworte

 

Jungen & Maskulinität, Jugendforschung, Risikoverhalten, Sensation-Seeking, Mutproben, Interaktionen im Unterricht, Doing Gender, Habitus, Konzepte für die Schulpraxis

Zusammenfassung

Jungen in der Adoleszenz zeigen im Durchschnitt ein ausgeprägteres Risikoverhalten und ein größeres Interesse an risikokonnotierten Inhalten als gleichaltrige Mädchen. Ein riskanter Umgang mit chemischen Substanzen im Unterricht oder im Freizeitbereich kann schwerwiegende Folgen für das Individuum und weitere Beteiligte haben. Der Beitrag bietet Lehrpersonen eine Orientierungshilfe für Situationsanalysen und Interventionen. Eine Annäherung an die Beziehung Risiko/Jungen/Männer erfolgt auf hermeneutischem und empirischem Wege. Risikokonnotierte Verhaltens­weisen von Jungen werden aus biologischer, psychologischer und soziologischer Perspektive betrachtet und als Teilaspekt maskuliner Performanz interpretiert. Unsere Studie mit 15-jährigen Schülerinnen und Schülern bestätigt die Annahme einer höheren Risikoaffinität der beteiligten Jungen im Vergleich zu den Mädchen und zeigt Korrelationen zwischen Risikoverhalten im Chemieunterricht und dem Interesse an spezifischen (risikokonnotierten) Themen auf.

 

Epilation und Depilation

Stichworte

 

Körper- und Gesundheitsbewusstsein von Frauen, naturwissenschaftsbezogene Bewertungskompetenz, Konsum chemischer Substanzen, Image naturwissenschaftlicher Produkte und Anwendungen, Medien

Förderung

Gleichstellungsbeauftragte der Leibniz Universität Hannover

Zusammenfassung

Gesellschaftlich geteilte Vorstellungen zur Körperpflege unterscheiden sich mitunter für Frauen und Männer. Daraus resultieren auch Differenzen hinsichtlich der Anwendung und Akzeptanz chemischer Produkte. Einen guten Ansatzpunkt für die Erforschung dieses Feldes bietet der Aspekt der Entfernung von Körperbehaarung. Die Werbung präsentiert den Geschlechtern hierzu verschiedene Konzepte. Frauen werden mit vermeintlich sanft wirkenden Schäumen bzw. Cremes und schonenden Epiliergeräten umworben, bei Männern soll das Interesse am Produkt vermittels technischer Details, wie etwa Klingenstabilisatoren und ergonomischen Griffen, geweckt werden. Ob die Enthaarungsprodukte, die zur Depilation der Körperbehaarung verwendet werden, wirklich schonender sind, bleibt dahingestellt; denn sie enthalten den giftigen Wirkstoff Mercaptoessigsäure (Thioglycolsäure), der vom Körper percutan aufgenommen wird.

Im Rahmen unserer Untersuchung führen wir Interviews mit Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren durch und ermitteln Einstellungen zu und Bewertungen von Epilations-/Depilationsprodukten.

 

(Sach-)Comics – Naturwissenschaften – Gender

Stichworte

Naturwissenschaften und Medien, Akzeptanz bei Mädchen und Jungen, (geschlechter-)stereotype Darstellungen von Naturwissen­schaft­lern

Zusammenfassung

Das Konzept „Chemie-Foto-Story“, das in der Schul­praxis entwickelt und erprobt wurde, wird weiterhin ausdifferenziert, um die Potenziale der sequenziellen Kunst (Comics, Bildergeschichten etc.) für die naturwissenschaftliche Bildung auszuloten. Das Methodenwerkzeug bietet Lehrpersonen die Möglich­keit, als geschlechtstypisch interpretierbare Interaktionsmuster zu durchschauen und individuelle Sichtweisen verstehen zu lernen.

           

Schwerpunkte in der Lehre

In meinen Seminaren erhalten Studentinnen und Studenten als „Handwerkszeug“ die Schlüssel­kom­pe­tenz der Gender-Reflexivität und Kontextsensibilität, um Prozesse der naturwissenschaftlichen Ausbildung unter dem Gesichtspunkt „Gender Mainstreaming“ reorganisieren, verbessern, entwickeln und bewerten zu können, damit die folgenden Ziele später in der Praxis umgesetzt werden können: Auflösung geschlechtsstereotyper Zu­weisungen und Verbesserung der Qualität von Lernarrangements durch individuelle Förderung. Im Rahmen der Veranstaltungen werden Konstrukte und Befunde der schulbezogenen Geschlechterforschung und fachdidaktische Folgerungen dargestellt sowie grundlegende Prinzipien der sozial-konstruktivistischen Perspektive („Doing Gender“) erarbeitet.
Da Denkhypothesen der Geschlechter­forschung grundsätzlich perspektivisch strukturiert sind und die Kontextabhängigkeit des Geschlechterverhaltens stets mit bedacht wird, üben wir uns im Rahmen der Veranstaltungen in der Kunst zwischen verschiedenen Perspektiven zu gleiten: einmal stehen Gruppierungen von Frauen und Männern, dann wieder Individuen im Blickpunkt, ein anderes Mal solche Prozesse, die Differenzen erst hervorbringen. Je nach Veranstaltung variieren die thematischen Schwerpunktsetzungen:

  • Perspektive „Gender & naturwissenschaftliche Bildung“: Wir widmen uns klassischen Problemen des Gender Mainstreaming in der Schule und beleuchten Interventionsmaßnahmen für die (schul-)pädagogische Praxis: u.a. Monoedukation, Koedukation oder reflexive Koedukation, Attributionsmuster und Reattribuierung, dynamisches Selbst – Selbstkonzept – Geschlechtsidentität, Training der räumlichen Vorstellungsfähigkeit, Fach-/Sachinteressen, Unterrichtsmethoden.
  • Perspektive „Science of Gender“: Es wird nach dem Anteil der Naturwissenschaften (insbesondere der Biologie) an der Konstruktion von Geschlechter­differenzen gefragt. Im Vordergrund  stehen Betrachtungen zum Denken in Dichotomien: a) Evolution der Geschlechtsunterschiede: qualitative und quantitative Fortpflanzungsstrategien, Konkurrenz und Werbestrategien, Kriterien der Partnerwahl, Kulturvergleich; b) Entwicklung und Differenzierung: Entstehung von Mann/Frau, genetisches Geschlecht, hormonelles und neuronales Geschlecht, Gehirnforschung, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung; c) historische biologische Geschlechtertheorien und deren soziologische Lesarten (Nötigung durch Systematizität, Habitus, Embodiment).         
  • Perspektive „Akteurinnen/Akteure und Organisationen der Naturwissenschaften“: Erhebungen zum Forschungsanteil und zur Forschungs­situation von Naturwissenschaftlerinnen, Betrachtungen zu Werdegängen bzw. Karrieren (Einstiegsbarrieren, Diskriminierungserfahrungen) rücken in den Vordergrund. Wir spüren Frauen in den Naturwissenschaften auf, deren Leistungen von der Wissenschaftsgeschichte verkannt bzw. ignoriert wurden, und beleuchten Potenziale von Mentoring-Projekten.   
  • Perspektive „Dekonstruktionen“: Im Zentrum steht das kritische Hinterfragen struktureller Korresponden­zen zwischen der Geschlech­ter­ordnung und Interpretations­kon­zepten in den Naturwissenschaften. Unter­suchungen von Metaphern, Bedeu­tungs­zu­weisungen und Legitimationen sind typisch für diesen Bereich. Exkurse führen in die (feministische) Naturwissenschaftskritik.

LehrerInnen-Fortbildungen

29.02.2012: "Methodenwerkzeuge für einen geschlechtersensiblen Unterricht" (66. Fortbildungswoche von Plus Lucis, Universität Wien).

10.02.2012: "Gebildet durch Bilder!?? Comics und Bildergeschichten im Chemieunterricht". 6. Curie-Minisymposium, Leibniz Universität Hannover.

20.05.2011: "Comics, Foto-Storys & Co. - Methodenwerkeuge für einen kreativen Chemieunterricht in der Sekundarstufe I". Chemielehrerfortbildungszentrum NRW in Dortmund.