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Gastprofessur Gender und Diversity
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Gastprofessur Gender und Diversity
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Projekt Gastprofessur

Die Leibniz Universität Hannover hat eine langjährige Tradition der Frauen- und Geschlechterforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in Architektur und Rechtswissenschaften. Mit der Gastprofessur für Gender und Diversity wird die interdisziplinäre Perspektive gestärkt und eine breite Verankerung in den Fakultäten initiiert. Dies ist ein weiterer Meilenstein zur Qualitätsverbesserung der Lehre an der Leibniz Universität Hannover.

Mit der Gastprofessur für Gender und Diversity wird eine Vielfalt an Forschungsperspektiven (Diversity) gewährleistet und die Möglichkeit geschaffen, die Bedeutung von Gender- und Diversity-Aspekten für die verschiedenen Forschungsinhalte und -methoden vollständig zu erfassen.

 

 

 

 

September 2017 | Personenvorstellung der neuen Gastprofessorin Nicola Oswald

Mein Forschungsvorhaben im Rahmen der Gastprofessur ist prinzipiell im Spannungsfeld zweier Gebiete angesiedelt: Geschichte der Mathematik und Mathematikdidaktik, wobei ein soziologischer Blickwinkel als übergreifendes Element eingenommen wird.

Die Soziologin Heike Kahlert hebt in einer Studie „Über das ”akademische Frauensterben” auf dem Weg an die Spitze der Wissenschaft“ (Kahlert, 2015) insbesondere die entscheidende Rolle von so genannten weichen Einflussfaktoren auf die Karriere von Frauen an Hochschulen in Form von Professions- und Organisationskultur hervor. Unter anderem werden die Rolle des/der Betreuenden der Doktorarbeit, der wissenschaftlichen Netzwerke, die (selbst potenzielle) Familienplanung, traditionelle Rollenvorstellungen sowie wissenschaftskulturspezifische (unterschiedliche) Weltanschauungen und Werthaltungen untersucht. Diese Faktoren zeigen in ihrer Gesamtheit eine erstaunliche Ähnlichkeit zu solchen, die bei der mathematikhistorischen Untersuchung von Frauen in der Mathematik in den Fokus genommen werden müssen (siehe etwa (Tobies, 2008)). Vor diesem Hintergrund untersuche ich im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes die Frage, inwieweit es kulturspezifische Einflussfaktoren auf die mathematische Community gibt.

Im Bereich der Mathematikdidaktik arbeite ich aktuell gemeinsam mit Professor Dr. Ralf Benölken (Universität Münster) an dem Kooperationsprojekt „LuPen - Lösungs- und Präsentationsformen im geschlechterspezifischen Prisma“. Hierbei handelt es sich um ein Forschungsprojekt im Komplex „gender und Mathematik“. Das Vorhaben umfasst zwei Teilstudien, die jeweils sowohl die Primarstufe als auch die Sekundarstufe I fokussieren. Augenmerk ist auf eventuelle geschlechtstypische Unterschiede von Mädchen und Jungen beim Lösen und der Handhabung mathematischer Aufgaben gerichtet: So deuten vorhandene Befunde beispielsweise darauf hin, dass Jungen eher zu vergleichsweise formelleren, wort- und bildarmen Bearbeitungen und Mädchen eher zu elaborierteren Lösungen und Verbildlichungen neigen. Als Leitfrage ergibt sich: Inwiefern lassen sich genderspezifische Präferenzen bei der Lösungsdarstellung kennzeichnen?
Wegweiser für die Frage nach der Wahl der Präsentationsformen von Aufgaben war auch die im Frühjahr 2016 durchgeführte Studie "Beweise ohne Worte mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten“ (Oswald, 2016). Dabei wurden so genannte "Beweise ohne Worte" also mathematische Zusammenhänge, welche allein durch Graphiken veranschaulicht werden, im Zusatzunterricht von geflüchteten Jugendlichen erprobt.

Insgesamt ist das Themenfeld "gender & diversity in der Mathematik" in verschiedener Hinsicht als transformativ zu betrachten. Wie im Obigen skizziert, bestehen, neben zahlreichen Anknüpfungspunkten an weitere wissenschaftliche Disziplinen, direkte Verzahnungen zwischen Mathematik, Geschichte, Didaktik und Soziologie. Darüber hinaus wird ein Bogen zwischen Theorie und Praxis geschlagen: zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sowie zwischen Hochschule und Schule.

Vorstellung meiner Person:

Ich freue mich sehr, ab dem Wintersemester 2017/18 als Gastprofessorin für Gender & Diversity an das Institut für Mathematik der Leibniz Universität Hannover zu kommen.
Nach meinem Studium der Mathematik und Informatik in Würzburg und Caen (Frankreich), promovierte ich 2014 mit einer zahlentheoretischen Dissertation an der Universität Würzburg. Anschließend führte mich mein Habilitationsprojekt an die Universität Wuppertal, wo ich in der Arbeitsgruppe für Didaktik und Geschichte der Mathematik an der Universität Wuppertal forschte und lehrte. Nach einem Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, war ich bis vor kurzem als Vertretungsprofessorin in Wuppertal tätig.

Literatur:

H. Kahlert, Nicht als Gleiche vorgesehen. Über das ”akademische Frauensterben” auf dem Weg an die Spitze der Wissenschaft., In: Beiträge zur Hochschulforschung, 37. Jahrgang 3 (2015), 60–78.

N. M. R. Oswald, Beweise ohne Worte mit jugendlichen Geflüchteten, GDM Mitteilungen (2017) , Heft 102: 5 - 11
    
R. Tobies, Aller Männerkultur zum Trotz, Campus Verlag, 2. Auflage, (2008).